Ladenzeile: Gesamtkunstwerk

Zwei Frauen in einem Laden

„Ursberg ist ein Gesamtkunstwerk.“ Das Besondere an ihm: „Schranken zwischen Menschen ohne Behinderung und Menschen mit Behinderung werden ganz nebenbei abgebaut, weil man sich im Laden oder Bistro automatisch begegnet und auch mal einen Kaffee zusammen trinkt,“ erzählt Birgit Langhans vom Ursberger Laden. Sie und ihre Kollegin Sabine Stadter vom Bistro-Café sind die Macherinnen und haben mit dem Ursberger Laden nebst integriertem Bistro-Café ein Kleinod geschaffen, das seine Gäste mit viel Charme und Herz empfängt.

Der Ursberger Laden ist seit fast 16 Jahren im historischen Ökonomiegebäude des Dominikus-
Ringeisen-Werks mit seinem imposanten freitragenden Gewölbe idyllisch und verkehrsbe-
ruhigt untergebracht. Ungefähr 70 Prozent der „breiten kreativen Palette“ sind Werkstattprodukte – in den eigenen Werkstätten hergestellte sowie zugekaufte aus über 80 Werkstätten in Deutschland und der Schweiz.

Holzspielzeuge

Quasi an jeder Ecke und hinter jeder Säule staunt das Auge über diese Vielfalt und entdeckt hochwertige Holzspielwaren, Schaukelpferde, Geschenkartikel, Bienenwachskerzen, originelle Karten, wunderbare Weidenkörbe, urige Kräuterstäbe aus der Töpferei, ätherische Öle oder Heilkräuterkerzen aus dem Allgäu mit Heilkräutern von eigenen Almwiesen. Man sieht den Armbändern, Schlüsselanhängern, Lederbeuteln, süßen Trachtentäschchen, Weihnachtswichteln, Kantenhockern oder bunten Vogelhäuschen an, mit wie viel Liebe und Begeisterung sie gemacht wurden. Mein Favorit neben einem großen geflochtenen Weidenherzen ist spontan die witzige „Sammelstelle für verlorene Socken“ – ein Holzbrett mit Wäscheklammern, um verwaiste Socken dranzuklipsen. Ach ja…, wer eine außergewöhnliche Bürste sucht, wird sie in Ursberg bestimmt finden.

Bistro im Gewölbe mit einem Lebensmittelregal

Das anfängliche Stehcafé hat sich vor gut zehn Jahren zum großen Bistro-Café mit gemütlichem Außenbereich gemausert. Letzterer liegt zwischen der Reithalle für Therapiepferde und schattenspendenden Bäumen. Mittags werden warme Snacks und Salate angeboten. Sabine Stadter erzählt, dass es bei ihr im Bistro ebenfalls eigene nebst zugekauften Produkten gibt: die italienischen Kuchen einer Neu-Ulmer Tortenmanufaktur oder das Hofpfisterei- und Oberschönenfelder Holzofenbrot allerdings nur an jeweils zwei Tagen, während die Biobäckerei Schubert täglich liefert. Selber produziert wird unter anderem Marmelade, „sehr leckeres Pesto“ oder „weltbestes Sauerkraut“ aus der eigenen Gärtnerei, das mir Birgit Langhans wärmstens empfiehlt.

Diese hier gelebte Inklusion geht zurück auf Priester Dominikus Ringeisen, der die Abtei Ursberg 1884 erwarb und dort seine erste Einrichtung für Menschen mit Behinderungen aufbaute, die ihm zeitlebens am Herzen lagen. Bis zu seinem Tod 1904 schuf er noch weitere Außenstellen, beispielsweise in Krumbach, Pfaffenhausen oder Maria Bildhausen. Geistig und mehrfach Behinderte finden hier schulische und berufliche Ausbildung, Beschäftigung und auch ein Zuhause in einer achtsamen, liebevollen Umgebung. Jede/r kann je nach Können ihren bzw. seinen Teil zu etwas Größerem beitragen und somit sich und die eigene Arbeit wertgeschätzt fühlen. Denn auch die Menschen, die in der Holzwerkstatt nur die Räder auf den „Ursberger Wackeldackel“ zum Hinterherziehen stecken, sind wichtig, sonst könnte der Wackeldackel ja nicht gezogen werden. An diesem Beispiel erklärt mir Birgit Langhans den Unterschied zwischen Förder- und Werkstätte: „Wer in Werkstätten beschäftigt ist, kann in seinem Bereich durchaus selbstständig arbeiten: Einer lackiert, ein anderer baut die Räder hin. In den Förderstätten braucht es etwas mehr Betreuung.“

INFO:
Ursberger Laden und Bistro
Dominikus-Ringeisen-Str. 1c, Ursberg
Parkplätze unmittelbar davor
Tel.: 08281 / 92 22 41

BISTRO: Mo – Fr: 7 – 17 Uhr, Sa: 7 – 12 Uhr

LADEN: Mo – Sa: ab 9 Uhr

www.dominikus-ringeisen-werk.de