Ich bin, also kann ich! – Das selbstbewusste Kind

Wie Eltern Selbstwert und Selbstvertrauen ihres Kindes stärken können. Ein Beitrag von Nazan Simsek, Vorsitzende des Kinderschutzbundes Augsburg

Unsere Gesellschaft, damit auch unsere Kinder, stehen vor sozialen und gesellschaftlichen Herausforderungen. Wichtiger denn je ist ein starkes Miteinander, ein Dialog auf Augenhöhe, basierend auf gegenseitigem Respekt, Toleranz und Wertschätzung.
Jeder Einzelne möchte gesehen, anerkannt und respektiert werden. Eltern wollen besondere, selbstbewusste und selbstbestimmte Kinder, die sich behaupten können und einzigartig in ihrer Persönlichkeit sind, wohlwissend, dass man erzieht, um später loszulassen. Wie können Eltern ihre Kinder unterstützen, Selbstvertrauen zu entwickeln, sich auch mit ihren Schwächen wohl zu fühlen und ihren Platz in der Gesellschaft nicht über Leistung zu definieren?

Starke Kinder haben nicht nur ein ausgeprägtes Selbstvertrauen, sondern auch ein hohes Maß an Selbstwertgefühl. Während beim Selbstvertrauen die Kompetenzen im Fokus stehen, geht es beim Selbstwertgefühl darum, sich selber anzunehmen und zu akzeptieren. Wollen Eltern ihre Kinder unterstützen, ist es daher wichtig, deren Bedürfnisse zu erkennen, Gefühlsausbrüche nicht als reine Handlungen zu sehen, vielmehr das Handeln zu hinterfragen. Dies signalisiert dem Kind, gesehen, geliebt und verstanden zu werden, es wert zu sein.
Kinder wollen verstanden, geliebt und gehört werden. Der Ausruf „das ist doch nicht schlimm!“, lässt das Kind allein im Gefühl. Was für Eltern nicht schlimm ist, kann aus Sicht des Kindes durchaus schlimm sein. Kinder im Gefühl zu begleiten, zu trösten, sie aufzufangen und zu signalisieren, dass es in Ordnung ist, dass es traurig ist oder weint, stärkt das Kind im Selbstwert. Das Kind versteht „ich bin es wert, dass man sich um mich kümmert. Es ist in Ordnung, dass ich mich so fühle.“ Eltern können das Kind begleiten, indem sie offene Fragen stellen und das Kind bitten zu erzählen, was passiert ist. Kinder
sind zudem neugierig. Sie sind Entdecker. Sie wollen ihre Erfahrungen machen. Dabei bringen sie unermüdliche Energie und Motivation mit. Den Kindern den Raum zu lassen, selbst zu entdecken, Dinge zu hinterfragen, Erklärungen selbst zu finden, bestärkt die Kinder in ihrem Selbstvertrauen.

Selbstvertrauen misst sich an Kompetenzen. Kompetenzen können sich nur dann entwickeln und wachsen, wenn Kinder Erfahrungen machen dürfen. Erfahrungen beinhalten auch Misserfolge. Eltern können ihre Kinder unterstützen, ihre Kompetenzen zu erkennen, diese auszubauen und mit Misserfolgen und Ängsten umzugehen.

Selbstbewusste Kinder sind „Bestimmer”. Dabei kann sich das selbstbewusste Kind auch gegen die Eltern richten. Ein Nein gegenüber den Eltern, ist aus Sicht des Kindes ein Ja für sich selbst oder ein „nicht jetzt, mach ich später“. Kinder wollen mit ihrem Nein ausprobieren, wie weit sie gehen dürfen, wo die Grenzen liegen, welche Regeln beweglich sich. Auch dies ist Ausdruck der Entwicklung.

Kinder sind grossartige Beobachter. Wollen Eltern den Selbstwert ihrer Kinder stärken, bedarf es der Eigenrefl exion. Kinder sehen Eltern als Vorbild und beobachten den Umgang dieser mit eigenen Schwächen und Stärken. Mit Kindern im Gespräch zu sein und zu bleiben, bestärkt das Kind, sich zu öffnen und sich mitzuteilen. Eltern sollten ihr Kind nicht nur loben, wenn es etwas gut gemacht und geschafft hat, sondern auch, wenn es sich bemüht und anstrengt hat. Auch sollte nicht das Kind selbst kritisiert werden, sondern das Verhalten und dem Kind erklärt werden, warum etwas nicht richtig war. Dabei ist es wichtig, das Kind im Blick zu behalten und das Handeln zu hinterfragen. Kindern kann man nicht genug Liebe geben. Dem Kind täglich zu sagen, wie lieb man es hat, so wie es ist und die Anerkennung und Liebe nicht über Leistung zu defi nieren, stärkt den inneren Halt des Kindes. Kinderjahre sind einzigartig und prägend. Das Beste, was wir unseren Kindern für die Zukunft mitgeben können, findet sich nicht in Kaufregalen. Es ist Liebe, Geborgenheit, Halt und Wertschätzung.

„Wir sorgen uns darum, was aus unserem Kind morgen wird und übersehen dabei, dass es schon jemand ist.“ (Zitat: Stacia Tauscher).