Top-Fit: Der weltgrößte spielbare Ball – Kin-Ball

Zwei Jungs halten einen Kin-Ball hoch, ein anderer nimmt Anlauf zum Schlagen

Nach den unzähligen Sportarten, die bereits in liesLotte vorgestellt wurden, kommt diesmal tatsächlich eine, von der wohl sehr wenige schon mal etwas gehört haben: Kin-Ball. Beim TSV Bobingen wird dieser Ballsport allerdings schon seit mehr als zehn Jahren gespielt – und das mit einem riesigen, wahrscheinlich sogar dem weltgrößten bespielbaren Ball und sehr viel Elan.
Von Angelina Blon.

Das Geräusch, das mich in der Turnhalle empfängt, erinnert mich an das Fußballtraining meines Sohnes. Ein Ball klatscht mit enormer Kraft an eine Wand. Beim ersten Blick in die Halle bietet sich mir jedoch ein völlig unerwartetes Bild: Der hier verwendete Ball ist riesig; um genau zu sein, hat er einen Durchmesser von 1,22 Metern. Es ist ein Kin-Ball, Spielgerät einer sehr unbekannten Sportart mit gleichem Namen. Tobias Wolf, Kin-Ball-Trainer, ist bereits in der Halle und spielt ebenjenen überdimensionalen Ball gegen die Wand. Doch nicht durch den Fuß, sondern mit einem Schlag von der Hand erreicht der Ball eine so hohe Geschwindigkeit, dass er mit einem lauten Aufprall aufschlägt. Was allerdings gar nicht so recht ins Bild passt, ist, dass der Ball zwar unheimlich Speed hat, aber doch scheinbar schwebt. „Der Ball wiegt nicht mal ein Kilo“, erklärt mir Tobi dann auch gleich zusammen mit den Grundgedanken des Kin-Ball-Sports.

Gespielt wird Kin-Ball mit drei Mannschaften à vier SpielerInnen gleichzeitig auf einem quadratischen Feld von etwa 20 Metern Seitenlänge. Das Besondere: Es gibt weder Tore noch Netze oder Körbe. Ziel ist es vielmehr, den Ball nicht auf dem Boden aufkommen zu lassen. Dabei ist eine Mannschaft am Ball, die gemeinsam einen Aufschlag macht und gleichzeitig eine der anderen beiden Mannschaften bestimmt, der dieser Angriff gilt. Gelingt es, den Ball über dem Boden zu halten, schlägt diese Mannschaft auf und bestimmt wiederum die angegriffene Mannschaft. Das klingt nun vielleicht etwas langweilig, doch man muss bedenken, dass es sich nicht einfach nur um einen Ball handelt. Die schiere Größe macht das Spiel wirklich spannend, wie ich gleich sehen werde.

Die Jugendlichen üben Aufschläge. Laura (14) hockt dafür am Boden und balanciert den riesigen Ball auf Kopf und beiden Händen. Isabell (15) nimmt Anlauf, ruft laut „Omnikin bleu“ und schlägt den Ball. Das Spiel wurde 1986 in Québec, Kanada, erfunden und so wird die Farbe der Mannschaft, die angegriffen werden soll, auf Französisch gerufen. Es ist erstaunlich, wie schnell der Ball bei einem solchen Aufschlag wird und welche Flugbahnen er beschreibt: mal in einem Bogen nach oben, mal kerzengerade, plötzlich auf die Seite abbiegend, durch die gesamte Halle oder auch mal kurz. „Man kann die Hände zusammennehmen und dann mit der Außenseite eines Unterarms schlagen. Oder auch mit nur einem Arm. Das kostet zwar viel mehr Kraft, aber dadurch, dass man entweder mit der Innen- oder der Außenseite schlagen kann, kann man den Gegner überraschen“, erklärt mir Isabell.

Kin-Ball in einer Sporthalle

Als nun Jonathan (15) dazukommt, versucht er, zusammen mit Trainer Tobi den Ball abzuwehren. Dazu muss man wissen, dass es überhaupt nicht funktioniert, einen Ball in dieser Größe zwischen zwei Händen oder Armen zu fangen. Daher braucht es mindestens zwei Leute, um den Riesenball gemeinsam unter Kontrolle zu bringen. Und so gilt es, sich einerseits geschickt zu positionieren oder in rasantem Lauf den Ball aufzuhalten. „Es ist eigentlich egal, mit welchem Körperteil man den Ball berührt. Hand ist genauso erlaubt wie Fuß. Nur einen Kopfball sollte man nicht machen, das ist mit diesem Ball gefährlich“, erklärt Jonathan. Und schon spurtet er los, um gerade noch mit Anlauf unter den Ball zu rutschen. Er kickt ihn gekonnt hoch, sodass Tobi ihn nun in Anschlagposition über seinem Kopf ausbalancieren und Jonathan einen Anschlag ausführen kann.

„Wir trainieren zu Beginn des Trainings immer wieder Technik, etwa wie man richtig rutscht. Und natürlich gezielt die Anschläge“, so Tobi. Denn diese sind das A und O des Sports und beinhalten viel mehr als nur einen Abschlag. „Hier kommt ganz viel Taktik zum Tragen“, erzählt mir Dana (18), die letztes Jahr zusammen mit Tobi auf der Kin-Ball-Weltmeisterschaft in Frankreich gespielt hat. Wir beobachten gemeinsam, wie die jungen Kin-Ball-SpielerInnen gerade ein kleines Match austragen. Beim Aufschlag während des Spiels müssen drei SpielerInnen am Ball sein, das heißt ihn gleichzeitig berühren, wenn das vierte Mannschaftsmitglied den Aufschlag ausführt. „Marco (15) und Marco (16) halten den Ball, Philipp (13) und Finn (15) laufen aus entgegengesetzter Richtung an – so weiß der Gegner nicht, wer der beiden letztendlich den Aufschlag in welche Richtung ausführt“, erklärt mir Dana eine der taktischen Möglichkeiten.

Mehrere Mitspieler mit ihrem Kin-Ball

„Kin-Ball ist ein echter Community-Sport“, schwärmt Tobi am Ende des Trainings. „Es geht ganz viel um Fair Play. In meinen Augen ist es ein perfekter Schulsport, denn es können Leute mit sehr unterschiedlichem Können gut zusammen spielen. So können sogar Kinder, Teens, Erwachsene, Frauen und Männer in einer Mannschaft sein. Und selbst Turniere sind – wie es sich für Kin-Ball gehört – geprägt von gegenseitigem Austausch und einem friedlichen und respektvollen Umgang miteinander.“ Dana ergänzt: „Selbst auf der WM gab es während des Trainings einen intensiven Austausch mit dem Gegner, es gab gegenseitig Tipps und Tricks. Aber vor allem: Es hat richtig Spaß gemacht.“

INFO:
Kin-Ball
TSV Bobingen, Abteilung Turnen, Kin-Ball-Training
Ansprechpartner: Tobias Wolf, kinball@tsvbobingen.de
Geschäftsstelle des TSV, Tel.: 08234 / 90 24 26

Training: 1 x / Woche, Jahn-Turnhalle Bobingen, ab 12 J.
NEU: Erwachsenentraining
Kosten: Vereinsbeitrag 7 € / Monat (K bis 18 J.),
22 € / Monat (Fam.),
Spartenbeitrag Turnen 2 € / Person

www.tsvbobingen.de
www.kinball-deutschland.de