Jubiläumsinterview- Die Frau hinter liesLotte

Mit einem Familienmagazin für Augsburg hast du vor zehn Jahren einen Nerv getroffen. Bis heute begleitet liesLotte Familien aus der Stadt und dem Umland. Wie kam es dazu? Ich suchte als Grafikerin und Journalistin nach einer festen Halbtagsstelle. Da es dies in der Branche eigentlich  nicht gibt, wollte ich in meiner Selbstständigkeit ein festes Projekt installieren. Dass liesLotte allerdings keine Halbtagsstelle sein würde und ich viele Jahre bis zu 70 / 80 Stunden arbeiten würde, wusste ich zum Glück damals noch nicht…

Wie hast du das alles geschafft, vor allem mit deiner Familie mit zwei kleinen Mädchen? Ich bin jemand, der einfach extrem anpacken kann. Ich habe meine liesLotte-Arbeit immer um meine Kinder drumrumgebaut. Also sehr oft noch nachts und am Wochenende am PC verbracht. Ich hatte auch immer den Rückhalt meines damaligen Mannes, das war viel wert. Die beiden sind bereits fast erwachsen. Fällt es dir nicht schwer, dich immer noch auf (Klein-) Kinderthemen zu konzentrieren? Jedes Kind und jedes Alter hat seine  schönen Seiten und seine Herausforderungen. Ich finde es interessant, meine Erfahrungen zu  Kleinkindthemen aus heutiger Sicht weiterzugeben. Außerdem haben wir in liesLotte auch gaaaanz
viele Themen für größere Kinder…

Wenn du an zehn Jahre liesLotte zurückdenkst: Was kommt dir als Erstes in den Sinn? Im Rückblick ist es faszinierend, wie sich liesLotte entwickelt hat und mit ihr der Verlag und ich selbst. Wir sind immer gesund gewachsen und haben im Business und auch persönlich  unglaublich viel gelernt. Ich habe es in den zehn Jahren sehr genossen und genieße es bis heute,
in meinem Verlag meine eigenen Vorstellungen umzusetzen: Meinem Bauchgefühl für gute und
erfolgreiche Produkte zu vertrauen.

Die erste Ausgabe der liesLotte und das 61. liesLotte-Heft – was sind die größten Unterschiede und wie ist deine Beziehung zu den beiden Ausgaben? Das erste Heft ist für mich schon etwas sehr Besonderes. Ich kann mich noch erinnern, dass ich furchtbar aufgeregt war, als ich auf die Sendentaste drückte, um die Ausgabe in die Druckerei zu schicken. Für mich ist das Abschließen und In-Druck-Schicken bis heute noch immer etwas Gewichtiges. Sicherlich ist der größte Unterschied zwischen den beiden Ausgaben, dass wir mittlerweile nicht mehr erklären müssen, wer wir sind, alle Veranstalter unbedingt in unser Heft wollen und wir statt 36 Seiten im ersten Heft nun in Ausgabe 61 100 Seiten produzieren. Hinter der  liesLotte steht der liesLotte MEDIEN VERLAG, dessen Inhaberin du bist.

Was gehört noch alles zum Verlag? Da ist natürlich unser zweites Magazin „Purpur“
rund um nachhaltiges und pures Leben in Augsburg und Umgebung. Dieses ambitionierte
Projekt mit großen Reportagen und regionalen Ideen für ein nachhaltigeres Leben startete vor
zwei Jahren. Wir haben im Verlag zwei Sonderproduktionen, die einmal im Jahr erscheinen:
den Frühstücksplaner mit vielen tollen Locations zum gemütlich Frühstücken und Brunchen sowie
den Gesundheits- und Wellnessplaner, unser umfangreiches Nachschlagewerk rund um  Gesundheit, Coaching, Wohlsein, Entspannung und Schönheit – dieser bereits auch schon in der
vierten Auflage. Außerdem bieten wir Kinderschminken für Geburtstage oder auch Firmenfeste,
managen das FamilienmagazinNetzwerk, ein Anzeigenverbund von zehn Familienmagazinen
in Deutschland und betreuen mit der liesLotte Agentur in Wort und Bild einen großen KundInnenstamm.

Genau in diesen letzten zwei Jahren hat sich im Verlag sehr viel getan vor allem in Bezug auf Werte, Gemeinwohlorientierung und Nachhaltigkeit.Warum ist dir das wichtig?
Für mich ganz persönlich muss mein Handeln stets sinn-voll und sinn-stiftend sein. Dies ist die
Grundlage des Menschseins. Davon kann man auch das Arbeitsumfeld nicht ausschließen, denn
Arbeit gehört zum Leben. Man ist mit den Kolleginnen teilweise mehr zusammen als mit dem
eigenen Partner oder der Partnerin. Daher hat ein vertrauensvolles, familiäres und wertschätzendes
Arbeitsklima bei mir höchsten Stellenwert. Ich bin überzeugt, dass langfristige, ganzheitliche
und nachhaltige Erfolge grundsätzlich in Gemeinschaften erzielt werden. Deshalb lege ich
größten Wert auf faire und partnerschaftliche Beziehungen in allen Bereichen im innen undaußen. Ziel war es daher immer, auf Basis meiner persönlichen Werte wie Achtsamkeit, Vertrauen
und Ehrlichkeit meine Firma menschlich zu führen, ein harmonisches Team aufzubauen und mit viel
Freude den Kontakt zu KundInnen, LeserInnen und PartnerInnen zu pflegen.

liesLotte ist eine Erfolgsgeschichte von Anfang an. Auf was bist du besonders stolz?
Ich bin stolz darauf, dass wir es als fast reines Frauenteam in der Medienlandschaft Augsburgs
geschafft haben, ein beliebtes und unabhängiges Magazin zu etablieren. Und wir damit den
Kindern, den Familien und denen, die sich für dieselbigen in Augsburg engagieren, eine
Stimme geben. Dass unsere Publikationen Menschen bewegen, die Region voranbringen
und einen Beitrag für eine friedliche und solidarische Gesellschaft leisten … Ich bin stolz darauf,
dass wir somit aus Augsburg nicht mehr wegzudenken sind. Und ich bin superstolz auf mein
Team, das mit mir immer an einem Strang zieht, das die Arbeit mit mir wertschätzt und Sinn sieht
in dem, was es bei liesLotte tut.

Mit fast 40 MitarbeiterInnen hast du ein großes Team. Aber was genau machst DU?
Bei der Erstellung der liesLotte übernehme ich die ganze Projektleitung, gestalte das gesamte
Heft grafisch bis auf den Veranstaltungskalender. Ich schreibe heute nicht mehr so viele
Artikel selbst, da man dafür viele Ruhe und Stille braucht. Es ist schön, dass ich hierzu Angi und
Johanna als redaktionelle Unterstützerinnen habe. Ich verkaufe auch den Großteil der Anzeigen
für alle Produkte, habe also netten Kontakt zu KundInnen, telefoniere viel, schreibe Angebote.
Daneben entwickle ich als Kreativkopf auch sehr gern und enthusiastisch neue Projekte.
Die Managementaufgaben des gesamten Verlages sind sehr umfangreich: von Strategie bis
Personalplanung. Da ich alle Arbeitsabläufe im Verlag von der Pike auf kenne, sind alle konzeptionellen Änderungen mit mir verknüpft. Ich manage darüber hinaus das  FamilienMagazinNetzwerk und betreue meine KundInnen in meiner Agentur. Puh, eine ganze Menge.

Wie ist es, „Chefin“ zu sein? Chefin zu sein, ist interessant. In diese Rolle bin
ich auch erst nach und nach hineingewachsen, musste mich hier erst finden und diese Rolle
annehmen lernen. Wir haben im Team eine sehr flache Hierarchie. Wir besprechen immer alles
im engsten Teamkreis. Meistens liebe ich die Freiheit, selbst entscheiden zu können und meine
eigenen Wege zu gestalten. Aber zeitweise ist es auch nicht leicht, für alle immer stark zu
sein, alle Bedürfnisse unter einen Hut zu bringen und auch einmal unangenehme Entscheidungen
zu treffen, die aber letztlich für die Firma und das Team wichtig sind.

Da ist Uta Börger, die erfolgreiche Unternehmerin und Verlegerin des größten Publikumsmagazins in Augsburg. Wie sieht die private Person Uta aus?
Ich lebe mit meinen beiden wunderbaren Töchtern in der Firnhaberau. Ich habe einen engen
und liebevollen Freundeskreis. Meine Familie und meine FreundInnen sind mir das wichtigste Gut … Ich bin ein Genussmensch, ich singe, liebe klassische Musik, mag Kunst, Ästhetik, Kultur und
gute Restaurants. In den letzten Jahren habe ich mich zudem sehr viel ehrenamtlich engagiert.
Sonst treibe ich Sport, praktiziere QiGong und Entspannung und versuche dadurch, einen
gesunden Ausgleich zu meiner anspruchsvollen Bürotätigkeit zu leben. Spirituelle Themen sind
mir ebenfalls sehr wichtig. Ich reise sehr gern und liebe Blumen, die Sonne und das Meer.

Gibt es etwas, das du deinen LeserInnen schon lange mal sagen wolltest? Viele machen sich die Mühe und schreiben uns E-Mails oder rufen an, einfach um einen Dank loszuwerden. Dieses positive Feedback ist unglaublich wertvoll und berührt mich sehr. Ich bedanke mich für die Wertschätzung, die Begeisterung und die  Zugehörigkeit, die uns von LeserInnen sehr oft zugetragen wird. Das finde ich unglaublich wundervoll!