Start ins Leben: Wie bleiben Eltern ein Liebespaar?

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Das Baby ist endlich da – und jetzt? Nach der euphorischen Stimmung in den ersten Tagen kehrt allmählich der Alltag ein. Er ist leider nicht immer so rosarot, wie man ihn sich vorher ausgemalt hat. Windeln wechseln, stundenlanges Stillen, Baby herumtragen und beruhigen, schlaflose Nächte. Ein neuer Tagesablauf, orientiert an den Bedürfnissen des Babys. Darauf muss man sich erst mal einstellen. Man ist nicht mehr selbstbestimmt, sondern fremdgesteuert. Klingt übertrieben? Wenn das Baby unversehens schreit, und erst versorgt werden muss, werden die Spaghetti kalt, die Mama gerade essen wollte. Im Vordergrund stehen nicht mehr die eigenen Bedürfnisse, sondern die des Babys. Die Eingewöhnungsphase, das Sichkennenlernen, die Aufgaben des Stillens, Wickelns und Fütterns erfordern nicht nur viel Zeit, sondern sind auch emotional sehr beanspruchend.

Zurück zum Alltag: Für vieles gilt nicht länger das Lustprinzip, etliche Aufgaben wie beispielsweise Abwasch und Babybreikochen müssen einfach erledigt werden – auch solche, die unattraktiv sind, nicht bezahlt oder belohnt werden.

Beide Partner unterschätzen in der Regel deutlich, wieviel Zeit und Kraft ein Baby erfordert. Und fast jeder erwartet vom anderen mehr, als dieser zunächst selber zu geben bereit ist. Jeder hat das Gefühl, mehr zu leisten als der andere und zu wenig Anerkennung und Wertschätzung dafür zu bekommen.

Aufgaben gerecht verteilen mindert die Konflikte. Besprechen: Wer muss was wann und wie viel tun? Arbeit, Haushalt, Kind, Zeit für sich allein und seine Hobbys, Zeit zu zweit, und Schlafen muss untergebracht werden. Manches Hobby schränkt man notgedrungen ein oder legt es vorübergehend auf Eis. In diesem Sinn kommt vielleicht die Frage auf: Darf Papa noch zum AEV-Spiel gehen, wenn Mama nervlich am Ende ist? Falls nicht: Das tut weh, besonders wenn es liebgewordene Aktivitäten sind!

Strebt das Paar eine gleichwertige Aufteilung der Familienaufgaben an, muss viel diskutiert und verhandelt werden. Pickt sich einer nur immer die Rosinen heraus? Wer ist stärker belastet? Wer steckt bei Beruf und persönlichen Bedürfnissen mehr zurück, als ihm lieb ist?

Was braucht die Paarbeziehung, dass man nicht nur ein „Arbeitsteam“ für die Familiengründung ist? Erotik? Sexualität? War da mal was? Zumindest anfangs, und das ist völlig normal, herrscht eine gewisse Flaute im Bett. Wenn allerdings langfristig die Sexualität nicht in einer lebendigen Beziehung erhalten bleibt, werden irgendwann ernste Spannungen entstehen. Die Väter ziehen sich frustriert zurück und brauchen lange Zeit, bis sie auf die Probleme zu sprechen kommen. Die Mutter „tröstet“ sich vielleicht emotional mit dem Baby, indem sie diesem ihre ganze Aufmerksamkeit schenkt. Die emotionalen und körperlichen Bedürfnisse des Mannes bleiben zunehmend unbefriedigt.

Was könnte helfen, um den noch glimmenden Funken in der Paarbeziehung wieder zu entfachen? Vielleicht ein gemeinsamer Spaziergang zu zweit, ein Bad oder ein Abend zusammen auf dem Sofa? Denn ungeteilte aufmerksame Zuwendung schenkt auch wieder beiden neue Energie. Eine gute Idee ist es, regelmäßig einen Babysitter zu engagieren und als Paar etwas zu unternehmen,
denn gemeinsame schöne Aktivitäten verbinden. Sich verabreden für gegenseitigen Austausch. So kommt man sich wieder nahe.

Die Lust kehrt schon zurück, wenn man den Mut hat, wieder wie früher etwas auszuprobieren. Für Kinder denkt man sich auch immer wieder neue spannende Aktivitäten aus. Warum nicht für das
Paar? Den Kindern geht es gut, wenn es den Eltern gut geht, auch als Liebespaar.

Info: HANNA WEISSBECK
arbeitet in der Schwangerenberatung und als Familientherapeutin.
Als Fachfrau berät sie u.a. auch sehr junge Mütter und Eltern. Sie leitet die Gruppe:
„MAMA mia, so jung und schon ein Baby?!”