Start ins Leben: Gelungene Bindungserfahrungen

Fotolia_c_Robert Kneschke

Wir alle kommen mit dem Bedürfnis und der Bereitschaft nach Bindung auf die Welt. Diese Fähigkeit zur Bindung sichert unser Überleben und verankert uns in der Welt. Gelungene Bindungserfahrungen geben uns Sicherheit, stärken die Lust und den Mut zur Erkundung, lassen uns Vertrauen in uns und andere fassen und sind eine stabile Grundlage für alle Beziehungen.

Elke Gropper-Schumm von pro familia Augsburg hat sich für liesLotte zum Thema Bindung bei Säuglingen Gedanken gemacht. Neulich sagte ein junger Vater in der Beratung, dass es ihn freue, seine Tochter beruhigen zu können. Er erzählte, dass es für ihn bestätigend sei, seinem Kind durch seine Anwesenheit, Ansprache oder Beschäftigung helfen zu können, wenn es weint oder jammert. Es würde sich gut anfühlen, wenn die Kleine sich entspannt, wieder lächelt und er herausgefunden hat, was sie braucht, damit es ihr wieder gut geht. Er geht also ganz bindungsorientiert und feinfühlig vor. „Das ist ja einfach!“, fand dieser Vater. Viel einfacher jedenfalls als alle Fragen und Anforderungen der „Erziehung“ seines Kindes: Wann und was impfen? Welche Ernährungsform nach dem Stillen? Wie viel Aktion kann und will man dem Kind zumuten? Und so weiter. Er betonte, dass er sein Verhalten gegenüber seiner Tochter als natürlich empfinde. Die direkte Rückmeldung seiner Tochter in Form von Ruhe, Entspannung und Wohlgefühl bestätige ihn als Vater und gebe ihm Vertrauen in seine Fähigkeit, ein guter Vater zu sein.

John Bowlby (1907 – 1990), ein britischer Kinderarzt, der zusammen mit Mary Ainswoth ein Pionier der Bindungsforschung war, definierte folgendermaßen: „Bindung – ein unsichtbares emotionales Band, das zwei Menschen sehr spezifisch überRaum und Zeit verbindet.“

Gute Eltern zu sein wünschen sich alle Schwangere und werdende Väter – und die allermeisten sind es ja auch. Das zumindest ist die Erfahrung, wenn wir uns mit Bindung beschäftigen und die Auswirkungen auf das Gedeihen der Kinder. Kinder brauchen Sicherheit und Schutz. Wenn Eltern nicht feinfühlig und angemessen auf die Bedürfnisse ihrer Säuglinge eingehen können, hat auch dies eine direkte Auswirkung auf das Baby. Ein Kind, das auf die Welt kommt, beginnt sich im Laufe des ersten Lebensjahres an die Personen zu binden, die am feinfühligsten auf seine Bedürfnisse eingehen können. Das kann oft die Mutter und der Vater sein, aber auch andere Bindungspersonen. Entsprechend der Erfahrungen des Säuglings entwickelt sich eine Hauptbindungsperson heraus, eine Bindungshierarchie. Wir alle kennen dies auch im Erwachsenenleben: Stellen Sie sich vor, sie gewinnen im Lotto und wollen dies einer vertrauten Person mitteilen. Sie wissen genau, wen sie als erstes anrufen. Falls diese Person nicht erreichbar ist, rufen sie möglicherweise die nächstvertraute Person an, vielleicht gibt es noch eine dritte Person oder aber Sie warten, bis eine bestimmte Person zur Verfügung steht. Genauso verfährt das Baby oder Kleinkind, wenn es Sicherheit und Schutz benötigt. Es lässt sich am besten von seiner Hauptbindungsperson beruhigen, steht diese nicht zur Verfügung, dann kann es auch die nächstvertraute Bindungsperson sein, aber falls die Hauptbindungsperson anwesend ist, dann lässt das Kind sich dort trösten. Das ist wichtig zu wissen, um das Verhalten des Babys zu verstehen.

Besonders bei Säuglingen und Kleinkindern entdecken wir in den ersten Lebenswochen und -monaten, wie sie sich an uns binden, uns vertrauen, nachahmen und nach und nach die Sicherheit entwickeln, die Welt außerhalb von Mamas und Papas Schoß zu erkunden. Wer Gelegenheit hat, diese ersten „Wegbewegungen“ des Kindes von der Bezugsperson zu beobachten und den herzerfrischenden, rückversichernden Blick des Kindes zurückverfolgen
kann, wird berührt sein, von dieser menschlichen Grundbewegung des „Selbst-Tuns und
doch im Kontakt-Seins“.

Info: ELKE GROPPER-SCHUMM
Dipl.-Sozialpädagogin (FH)
Fachfrau für die Schwangerenberatung
pro familia Augsburg, Hermanstr. 1
Tel. 0821 / 45 03 62-0, www.profamilia.de/augsburg