Freiheit pur – Auf der Reise zu einem puren, zufriedenen Leben

Ausbrechen aus dem Alltag, keine Zwänge, das Leben genießen, frei sein, dorthin zu gehen, wo man möchte, Zeit haben für das Leben … Jasmin und Benny Seelos haben es gewagt: Sie haben ihr Haus verkauft, ihre Jobs gekündigt und leben mit ihren Kindern vor allem im Wohnmobil: „Wir haben unsere vermeintliche Sicherheit aufgegeben, um viel glücklicher zu leben!“ Familie Seelos ist im puren Leben angekommen. Es war eine weite Reise.

Da ist ein Tisch, um den man gemütlich sitzt, eine aufgeräumte Küche mit Gasherd, ein kuscheliges Doppelbett und ein Stockbett für die Kinder. Ein Badezimmer mit Dusche, WC und Waschbecken gibt es selbstverständlich auch. Es ist das Zuhause von Jasmin und Benny Seelos, einem glücklichen Paar mit zwei aufgeweckten Kindern. Das dritte ist unterwegs. Vor Kurzem stand ihr Heim noch in Portugal, gerade bei Jasmins Eltern in Meitingen, bald wird es in Thüringen sein. Diese minimalistische Form des Lebens haben die beiden ganz bewusst gewählt, um Zeit füreinander zu haben und frei zu sei, das zu tun, was ihnen gut tut. Sie haben Stück für Stück ihre alte, „normale“ Welt, wie sie die meisten Durchschnittsmenschen in Deutschland haben, aufgegeben. Doch es war nicht ein Entschluss von heute auf morgen. Es war ein intensiver, teils schwerer Weg. „Wenn alles geflutscht wäre, hätten wir keine Motivation gehabt.“

Vollgas – Rückblick

Benny ist Chef seiner eigenen Webagentur, die er zuerst alleine, dann mit einem gut befreundeten Arbeitskollegen aufgebaut hat. Er trägt die Verantwortung für die Firma und für die Mitarbeiter, die immer mehr werden. Daneben stemmt er die Kernsanierung seines Hauses in  Eigenregie. Das Paar hat es gekauft und über die Bank finanziert. Jasmin arbeitet als  Krankenschwester. Als das erste Kind kommt, macht sie nur ein Jahr Pause in ihrem Job. Den größten Teil ihrer Zeit stecken beide in die Arbeit, um die Schulden abzubezahlen. Benny zusätzlich in die Renovierung: „Ich war nur am Arbeiten, hatte keine Nerven für Probleme, keine Zeit für uns.“ Jasmin beschäftigt sich mit den Alltagsfragen, die durch die Tochter kamen: Impfen, die Frage ob Stoffwindeln, was ist gut fürs Kind und was für die Umwelt. „Ich fing an, gesellschaftliche Muster zu hinterfragen. Muss man alles, was man immer schon macht, auch weiterhin so machen?“ Jasmin tut es nicht. Darauf werden andere Mütter aufmerksam, fragen sie um Rat und bitten um Hilfestellung. Und so geht Jasmin den Schritt, einen eigenen Laden für Babybedarf, Trageberatung und Café für Mütter in der Altstadt nur sechs Wochen nach der Geburt des zweiten Kindes zu eröffnen. „Es war eine zeitliche Katastrophe, es ging an meine und unsere energetischen Grenzen.“ Jasmin hat einfach keine Kraft mehr.

Kurzer Tritt auf die Bremse

Traumstrand, ein kleiner Bungalow unter Palmen, frische Mangos, Ananas, Papayas
im Überfluss. Jasmin hat Zeit. Sie baut mit ihren Kindern Sandburgen oder schaut einfach
mal in den tiefblauen Himmel, lässt die Seele baumeln. Fünf Wochen Asien helfen der Lunge des Sohnes, den deutschen Winter ohne die von den Ärzten prognostizierte Kortisongabe zu überstehen. Aber es ist auch eine Auszeit für Jasmin: „Ich habe dort gemerkt, dass man so wenig braucht, finanziell genauso wie materiell.“ Benny bleibt zu Hause und geht seinem Job nach. Danach sprechen beide viel miteinander: Wie wollen wir leben, was wollen wir in unserem Leben haben? Die Familie ist auseinandergerissen, Benny hat kein Familienleben. Und doch stellt sich die Frage, ob Jasmin wieder arbeitet oder Benny zusätzlich einen Nebenjob annimmt, um die Schulden abzubezahlen. Dieses Leben immer an der Belastungsgrenze war für das Paar untragbar. „Die gesamte Situation hat nicht gepasst. Uns war klar, dass wir etwas ändern müssen. Und zwar an den äußeren Umständen, sodass das Innere wieder passt.“

Zwischenstopp

Das Haus steht von Anfang an unter keinem guten Stern. Da sind Fehlberatungen, Schwierigkeiten mit der Energieberatung, der Finanzierung, der Bank, aber vor allem auch die Tatsache, wie viel Zeit, Energie und Geld Benny und Jasmin in die Sanierung und auch den laufenden Betrieb stecken. Die Energie der beiden ist weg, das Leben extrem kräftezehrend. In Bennys Augen wäre es noch einige Jahre so weitergelaufen. „Dann wäre aber vermutlich sogar unsere Ehe gescheitert.“ Die Entscheidung, das Haus als größten Zeit- und Geldfresser abzustoßen, fällt dann ganz schnell. „Wir sind gemeinsam zur gleichen Meinung gekommen. Unser wertvollstes Gut ist die Zeit, die wir miteinander verbringen können. Wir wünschen uns tiefgründige Beziehungen, das ist das pure Leben für uns.“ Benny renoviert das Haus innen noch so gut wie fertig, dann verkaufen sie es. Und auch ihren Laden gibt Jasmin auf. Die Schulden sind auf null gesetzt, der Sog gestoppt. Die Familie zieht in eine Wohnung in der Stadt. Benny hat nur noch einen kurzen Arbeitsweg und keine Renovierungsarbeiten mehr. „Ich genoss es. Es war ein Ausruhen nach all dem davor.“

Die richtige Richtung?

Jasmin sitzt am Steuer ihres Wohnmobils. Es ist ein kleines, altes Modell, das das Paar anstelle des überflüssig gewordenen Autos gekauft hat. Die Kinder dösen auf dem Rücksitz. Jasmin freut sich schon auf das Artgerecht-Treffen. Hier trifft sie Gleichgesinnte, die sich für ein dem Menschen artgerechtes Leben interessieren und einsetzen. All das tut Jasmin ohne ihren Mann, den sein alltägliches Programm in der Agentur festhält. „Es war zwar besser, aber irgendwie auch wieder nur eine Verschiebung. Das hatte nichts mit Freiheit zu tun.“ Jasmin geht wieder über den Winter nach Asien. Diesmal für mehr als vier Monate. Über Weihnachten kommt Benny für vier Wochen dazu. Unvorstellbar lang schien es ihm im Vorfeld, aber dann ist es doch nur ein Wimpernschlag: „Ich habe Blut geleckt.“ Er hatte endlich wieder das Gefühl, ein Familienleben zu haben. Und sie haben sich als Paar wieder kennengelernt. „In Deutschland habe ich gemerkt, ich bin hier, aber ich will das eigentlich nicht. Ich arbeite, um Geld zu verdienen, aber habe keine Zeit, dieses mit meiner Familie zu genießen.“ Den beiden wird klar, dass sie in Parallelwelten leben: „Wir hätten uns arrangieren können, aber das wollten wir nicht.“

Das Ziel vor Augen: Freiheit

„Mama, haben wir mein Skateboard?“ Die wenigen Dinge, die die Familie braucht, sind alle im Wohnmobil verstaut. Es herrscht Aufbruchstimmung im „schönsten Haus der Welt“, wie es die Kinder liebevoll nennen. Nach einem Heimatbesuch bei Jasmins Eltern zieht es die Familie weiter. Die Luft ist voll der positiven Energie, die von Jasmin und Benny ausstrahlt. Seit einem Jahr leben sie nun im Wohnmobil. Den Winter verbringen sie, wo es warm ist: Portugal, Spanien oder einfach dort, wo es sie hinverschlägt. „Wir möchten die Welt anschauen, Orte erleben, über Menschen und Geschichten stolpern und eintauchen.“ Jasmin ist eingetaucht – ins Leben. Persönlichkeitscoaching, Empfehlungsmarketing und IT-Beratung sichern unterwegs das Einkommen. „Der Drang, zum Leichteren und mich selbst in der Firma zurückzunehmen, funktionierte nicht.“ Benny hat seine Agentur verlassen und die Wohnung gekündigt. Ein neueres, etwas größeres Wohnmobil ist seitdem Hauptwohnung der Familie. Manchmal buchen sie eine Unterkunft, wo und wie lange sie möchten. Wie den Bungalow in Portugal, den sie zwei Monate bewohnten. Oder die drei Tage im Wellnesshotel. Gerade war es die hübsche Villa in Thüringen, wo das dritte Kind auf die Welt kam. Gemeldet sind sie immer noch in Deutschland, wo sie ihre Steuern bezahlen und das Auto angemeldet ist. Ohne Fixkosten bleibt viel mehr Geld zum Leben, auch für einen bewussten Lebensstandard. Benny und Jasmin legen großen Wert auf Biolebensmittel, auf gesunde Pflegeprodukte und auch darauf, wo sie diese einkaufen. „Wir verwenden unser Geld anders.“ So führen sie einerseits eine minimalistische Lebensweise mit all ihrem Hab und Gut, das in das Wohnmobil passt. Andererseits bleibt so mehr Geld und Zeit für die angenehmen Dinge des Lebens. Sorgen machen sich die beiden keine. So wie es jetzt ist, ist es gut. Denn sie können ihr Leben, so wie sie es gerade führen, auch wieder aufgeben. „Wir möchten uns keine Schranken setzen, wo diese nicht nötig sind.“ Die beiden sind glücklich – für und im Augenblick. Zufrieden mit ihrem Leben. Sie ruhen in sich.
„Wir genießen die Freiheit!“ (ab)