Sisterhood: Was Frauen falsch machen

Grafik Sisterhood Adobe Stock Maria Skrigan

Was bedeutet es, eine Frau zu sein? Gibt es das typisch Weibliche? In dieser Rubrik möchten wir uns mit dem „Frausein” in verschiedenen Facetten beschäftigen. Wir schreiben über
Themen wie Frauengesundheit, Körperlichkeit, Sexualität, aber auch über Diskriminierung, feministische Gedanken und gesellschaftliche Strukturen. Wir möchten damit Frauen stärken und Gleichberechtigung weiter ins Bewusstsein von uns allen rücken.

Lachen – nicht lachen – was Frauen falsch machen

Sie habe das „Lachen einer Wahnsinnigen,“ macht sich Donald Trump über seine Kontrahentin Kamala Harris lustig. Hillary Clinton kennt diese Abwertungen auch. Bei ihrem Wahlkampf 2007 wurde ihr Lachen von Fox News als „beängstigend“, „bösartig“ und „unpräsidial“ bezeichnet.

Diese Frauen lachen also falsch, genauso wie die Parteichefin der österreichischen Partei NEOS, Beate Meinl-Reisinger. Die Kronenzeitung betitelte ihres als „dämonisches Dauerlachen“. Der türkische Vizepremier Bülent Arinc beklagte kürzlich den moralischen Verfall der Kultur seines Landes, wenn Frauen ihre Attraktivität zur Schau stellen, um Aufmerksamkeit zu bekommen, indem sie zu laut lachen.

Irgendetwas scheint also mit dem Lachen von Frauen nicht zu stimmen. Befreites, raumgreifendes Lachen von Frauen, so beschreibt es die Kommunikationswissenschaftlerin und Lachforscherin Laura Meritt, galt und gilt immer noch als vulgär, promiskuitiv und anmaßend. Hexen wurde lautes, gehässiges und bösartiges Lachen nachgesagt. Und lautes ausschweifendes Lachen war nur Dirnen und Huren vorbehalten als Zeichen sexueller Promiskuität und eben als Einladung für mehr … Unschicklich für „ordentliche“ Mädchen, denn das ist die Rolle, die Frauen gebührt: „Wo sind unsere Mädchen, die erröten und ihr Gesicht schamhaft verbergen, wenn wir sie ansehen, diese Symbole der Keuschheit?“, fragte Bülent Arinc weiter.

Denn das ist nun die zweite Seite der Medaille… Natürlich sollen Mädchen und Frauen jederzeit lieb lächeln. Nicht wenige Frauen haben schon ein- oder mehrmals in ihrem Leben Sätze gehört wie: „Schau nicht so böse!”, „Wenn du lächelst, bist du viel hübscher.” Braves, devotes Lächeln, vielleicht noch hinter vorgehaltener Hand, das gehört zur typisch weiblichen Rollenerwartung. Auch die deutsche Rapperin Shirin David hat dazu einen Song gemacht: „(Ey) Lächel doch mal (ey, ey), sexy, ja, (Ey) Lächel doch mal (ey), stell dich nicht an, (Ey)
Lächel doch mal (ey, ey), Was regst du dich auf? …” Diese Erwartungen, v.a. von Männern, zwingt Frauen dazu, ständig freundlich auszusehen und natürlich auch Unangenehmes einfach wegzulächeln.

Frauen, die jedoch nicht lächeln, ernst schauen oder einfach neutral, gelten sofort als zickig und unsympathisch. Es gibt sogar einen Begriff dafür: „Resting Bitch Face” – und, oh Wunder, dieser wird hauptsächlich für Frauen verwendet. Mit dem Begriff wurden ab 2015 Schauspielerinnen betitelt, die auf dem roten Teppich einmal nicht lächelten. Wow, gleich eine Bitch …

Das Phänomen ist Teil von Alltagssexismus, bei dem Frauen aufgrund ihres Aussehens beurteilt werden und stellt eine stereotype abwertende Sichtweise auf Frauen dar. Das Lachen der Frauen gehört ganz klar in den Diskurs über Geschlechterrollen und Schönheitsideale. Denn tatsächlich scheint das Lachen oder Nicht-Lachen der Frauen wieder einmal eine Machtfrage zu sein: Wem ist es erlaubt zu lachen? Wer hat wo, wann oder auf gar keinen Fall zu lachen? Schon Immanuel Kant war sich sicher: „Lachen ist männlich, Weinen dagegen weiblich“.

Nicht laut und frivol lachen – aber auch nicht ernst oder neutral schauen – diese widersprüchlichen Erwartungen an Frauen erzeugen Druck. Wenn wir uns diesem Druck mehr bewusst werden, kommen wir Stück für Stück mehr in unsere ureigene weibliche Kraft und Stärke, davon bin ich überzeugt.

von Uta Börger.

Bild: Adobe Stock, Maria Skrigan