Inklusives Lernen durch Schul- und Kindergartenbegleitung

Eine Frau bringt einem Kind etwas bei

Inklusion ist ein Thema, das nicht nur durch die Medien geht. Gerade in Schulen wird viel darüber diskutiert, wie und ob gemeinsames Lernen von Kindern und Jugendlichen, mit oder ohne Behinderung, stattfinden kann. Seit zehn Jahren bietet der Verein gemeinsam leben – gemeinsam lernen Augsburg e.V. Assistenz für Kinder, Jugendliche und erwachsene Menschen mit Behinderung in Augsburg an, um Teilhabe und Inklusion in allen Lebensbereichen zu ermöglichen.
liesLotte im Gespräch mit Regina Weinkamm, Geschäftsführerin bei gemeinsam leben – gemeinsam lernen Augsburg e.V.:

liesLotte: Wie stellt sich die Schulsituation für Kinder mit Behinderung dar?
Regina Weinkamm: Viele Kinder mit Behinderung wollen mit ihren Freunden aus der Nachbarschaft in die Schule gehen und keine Förderschule besuchen. Das ist ihr Recht und mit der Unterstützung unserer Schul- oder KindergartenassistentInnen ist dies möglich.

Was sind die Aufgaben einer solchen Assistenz?
Ganz praxisnah formuliert: Manche Kinder mit Körperbehinderungen brauchen jemanden, der für sie mitschreibt, beim Essen und Trinken oder dem Toilettengang unterstützt, andere brauchen jemanden, der an ihrer Seite bleibt, sie motiviert oder auch mal beruhigend eingreift. Durch diese individuellen Hilfestellungen können Defizite im pflegerischen, sozialen und emotionalen Bereich ausgeglichen und damit der Besuch einer „normalen“, meist Regelschule, ermöglicht werden.

Wie wird diese Arbeit im Bereich Schule und Kindergarten finanziert?
Die Assistenzen werden als Leistung der Eingliederungshilfe und der Jugendhilfe vom Bezirk und von den Jugendämtern finanziert. Die Familien werden der jeweiligen Behörde zugeteilt, abhängig von der Art der Behinderung und dem Wohnort des betroffenen Kindes. In den meisten Fällen werden Hilfskräfte bewilligt und finanziert.

Wer kann SchulassistentIn werden? Welche Voraussetzungen benötigt man?
Da überwiegend Hilfskräfte finanziert werden, kann diese Aufgabe prinzipiell von jeder Person, egal ob jung, alt, Rentner oder Hausfrau, übernommen werden. Es ist meist keine Ausbildung nötig. Ganz wichtig sind natürlich die persönlichen Voraussetzungen unserer BewerberInnen. Wir wählen hier sehr sorgfältig nach den Bedürfnissen des Kindes aus. Abgesehen natürlich von einem einwandfreien, erweiterten polizeilichen Führungszeugnis, sind eine positive Einstellung zu Menschen mit Behinderung und dem Thema Inklusion, viel Empathie, Einfühlungsvermögen, Verantwortungsbewusstsein, Zuverlässigkeit, Höflichkeit und die Bereitschaft zu einem kooperativen und freundlichen Umgang mit allen beteiligten Menschen im Umfeld des Kindes, wie Eltern und Lehrer, für uns die wichtigsten Kriterien bei der Einstellung. Außerdem ist es eine wunderbare und sinnstiftende Aufgabe.

Über den Verein gemeinsam leben – gemeinsam lernen Augsburg e.V.
Der Verein entstand aus der Elterninitiative „elwela“. Ziel der Arbeit war von Anfang an, Menschen mit Behinderung Teilhabe und Inklusion in allen Lebensbereichen zu ermöglichen. Der ehrenamtliche Vorstand und aktuell vier hauptamtliche Mitarbeiter betreiben seit 2011 einen Assistenzdienst mit etwa 80 MitarbeiterInnen, die Menschen mit Behinderung in den Bereichen Freizeit, Wohnen, Arbeit, Schule und Kindergarten unterstützen. Betroffene Eltern werden in dem relativ bürokratischen Antragsverfahren unterstützt und können sich in Eltern- und Betroffenenstammtischen vernetzen.

INFO:
gemeinsam leben – gemeinsam lernen Augsburg e.V.
Stadtberger Str. 38, Augsburg
Tel.: 0821 / 99 87 04 94

Ansprechpartnerin:
Regina Weinkamm, Geschäftsführerin
regina.weinkamm@gemeinsam-leben-augsburg.de

www.gemeinsam-leben-augsburg.de