Top-Fit: Rhythmus im Blut: Boogie Woogie

(c) Janni Félix

Boogie Woogie ist der Tanz der 50er Jahre. Es ist der ursprüngliche Rock´n Roll, so wie er damals in diversen Tanz- und Milchbars noch ohne die vielen akrobatischen Einlagen getanzt wurde. Damals, als Tanzen noch modern und der Boogie Woogie, ein Swing-Tanz, erfrischend anders war. Doch heute? Beim TSC dancepoint e.V. in Königsbrunn können bereits Kinder Boogie Woogie erlernen.

Niklas (13) hält Mona (11) an der Hand und wippt im Takt auf Aerosmiths „Walk this way“. Auf „5, 6, 7, 8“ zählt er ein und dann tanzen die beiden los. In schwungvollen Drehungen wirbeln sie durch die Halle. Die Tanzschritte passen perfekt auf die rockige Musik, Niklas dreht Mona in alle möglichen Richtungen, sogar in den Spagat geht sie, während Niklas sie wieder hochhebt. Sein Zwillingsbruder Julian tanzt daneben mit Alexandra (9). Ihr Pferdeschwanz wippt mit den gehüpften Schritten mit, während die beiden sich umeinander drehen. Noch nicht mal wirklich im Teenageralter angekommen, haben die Tänzer zwischen neun und dreizehn Jahren sichtlich ihren Spaß beim Boogie-Woogie-Tanzen: „Wir haben nächstes Wochenende ein Turnier und üben jetzt noch mal unsere Figuren.“ Kathrin und Christian Adler leiten die Gruppe. Sie sind selbst begeisterte Boogie-Woogie-Tänzer, gehörten dem Nationalkader an, wurden deutscher Meister und belegten Platz 10 der Weltrangliste: „Wir möchten die Kinder mit Spaß an diesen wunderbaren Tanz  heranführen und ihnen spielerisch die Grundlagen beibringen.“

Und so beginnt auch dieses Training mit Aufwärmen. Die acht Kinder zwischen neun und dreizehn Jahren stehen im Kreis und machen die Übungen nach, die Kathrin zeigt: hüpfen und die Beine  dabei abwechselnd hochziehen, den Hampelmann und doch etwas komplizierter Kick links, Kick rechts, Beine auf, Beine zu … Und dann in meinen Augen als Königsdisziplin dazu noch mit den Armen rudern: vorwärts, rückwärts, nur links, dann rechts. „Beim Aufwärmen jubeln wir den Kindern spielerisch Grundlagen und verschiedene Elemente, Teile von Figuren, unter. Auch das Wippen und Federn, das beim Boogie-Woogie-Tanzen wichtig ist, wird eingeübt. Optimales Ziel ist es, die Arme von den Beinen zu entkoppeln, sodass die Arme etwas komplett anderes tun können als die Beine“, erklärt Christian derweil. Inzwischen sind alle in den Grundschritt des Boogie Woogie übergegangen und werfen sich einen Ball abwechselnd zu. Wer fängt, wechselt den Platz mit seinem Gegenüber – selbstverständlich, ohne aus dem Schritt zu kommen.

Ziemlich anstrengend ist das Ganze, denn die Schritte werden alle gehüpft. Und so gibt es eine kurze Trinkpause, bevor es weitergeht. Laetitia, Lydia (beide 9) und Fabian (12) üben den Grundschritt vor dem Spiegel. Ich versuche mich auch und scheitere erst mal kläglich. Dann erklären sie mir, wie es geht: „ Kick mit rechts, ball – das ist der Fußballen – change. Dann kommt ein Wechselschritt und noch mal einer zurück. Dann wieder von vorne. Ganz einfach.“ Mhm. Ich versuche es und lande beim Grundschritt des Jive, den ich vor Jahren mal gelernt habe. „Ja, das passt schon“, vertröstet mich Christian, „da fehlen dann nur noch ein paar Feinheiten.“ Da er nun auch mit Julian Feinheiten übt, sehe ich mir das genau an. Während Julian mit Christians Hilfe seinen Grundschritt optimiert, indem er schmäler tanzt und die Beine mehr beieinander lässt, erschließt sich mir dieser immer noch nicht wirklich. Ich lasse das lieber und wende mich wieder den kleinen Profi s zu. Drei Turnierpaare gibt es in der Gruppe. Fabians Turnierpartnerin ist heute leider krank, weshalb er Zeit hat, sich mit mir zu unterhalten: „In den Turnieren tanzen wir frei, das heißt, wir entscheiden selber, wann wir welche Figuren tanzen. Das sind zum Beispiel Platzwechsel, Damendrehung, Pendel oder der Leonhardsberger.“ Da ich den besonders spannend fi nde und dieser nicht durch Worte zu erklären ist, bittet Fabian Mona und Niklas mir die komplizierte Drehung und Führung der Dame vorzutanzen. Doch wie weiß Mona, was sie tun muss, wenn ihr vorher niemand sagt, dass jetzt der Leonhardsberger kommt? „Je nachdem, wie mein Tanzpartner anführt, weiß ich, welche Figur es ist. Bei neuen Figuren versteh ich ihn aber manchmal auch nicht“, lacht sie. Und Fabian und Lydia, die heute ausnahmsweise miteinander tanzen, meinen: „Mit einem anderen Tanzpartner ist es schon anders. Aber es geht!“ Dies nehmen die beiden Trainer zum Anlass, den Leonhardsberger für alle noch mal Schritt für Schritt zu erklären und zu üben: wo und wann Spannung aufgebaut wird, wohin die Hände und Füße gehen, wie der Herr die Dame führt. Faszinierend ist das schon, was in einer nur zwei Sekunden andauernden Figur alles beachtet werden muss und von den Kindern tatsächlich auch wird. „Die Kinder lernen hier wahrzunehmen, was sie mit ihren Händen oder den Beinen tun, wo sie den Körper anspannen und was dadurch passiert. Körpergefühl und das Wahrnehmen des eigenen Körpers sind ganz grundlegende Dinge fürs Tanzen. Genauso, wie es einer gewissen Kondition und Ausdauer, aber auch einer Auffassungsgabe für neue Figuren bedarf“, sagt Christian.

Im Training üben die Kinder mit normaler, bequemer Kleidung. „Bei Auftritten trage ich eine schwarze Bundfaltenhose, ein weißes Hemd, rote Hosenträger und eine Fliege, ganz im Stil der 50er“, erklärt Niklas. Seine Partnerin Mona ergänzt stolz: „Und ich habe einen Petticoat mit Punkten.“ Nicht alle Kinder tanzen auf Turnieren mit. Und so gibt es auch eine Gruppenchoreografie, die bei verschiedenen Anlässen von allen aufgeführt wird. Auch die Anfänger haben diese einstudiert. Schließlich sollen alle mitmachen und Spaß haben. Anstelle eines Spiels, das die Kinder gerne zum Schluss der Stunde machen, tanzen sie mir heute stolz und mit sichtlich viel Vergnügen ihre jahreszeitlich passend mit „A christmas twist“, aber auch mit aktueller Musik unterlegte Choreo vor. Von wegen damals! (ab)

Info:  BOOGIE WOOGIE FÜR KIDS UND TEENS
Tanzsportclub Dancepoint e.V., Weißkopfstr. 16, Königsbrunn, Ansprechpartner:
Kathrin und Christian Adler, Tel. 08231 / 889 07, jugendwart@tsc-dancepoint.de
Training: ab ca. 8 J., 1 – 2 x / Woche
Kosten: monatl. Vereinsbeitrag 18,50 € (bis 11 J.), Schüler 20 €, es können 2 Trainingsstunden / Woche besucht werden, also auch eine weitere Tanzsportart
neben Boogie Woogie
www.tsc-dancepoint.de