Lesen ist nicht nur herrlich, es zu können ist rasend wichtig. Lesen ermöglicht die Aufnahme von Information, füttert Geist und Fantasie, ist elementar für die mündige Teilhabe an gesellschaftlichem Leben. Leider fällt Mensch diese Fähigkeit nicht zu, er muss sie sich aneignen, am besten als Kind. Der Lernort Schule übernimmt einen großen Anteil der Erlangung von Lesefertigkeiten, kann sie aber nicht allein stemmen. Kinder aus Familien, in denen wenig gelesen wird, haben es da oft besonders schwer.
Lese-Insel – Eine Leseförderung durch Zusammenschluss vieler Partner
Das wussten auch einige erwachsene Leseratten aus Augsburg. Gemeinsam wuchs eine Idee: Warum nicht Schulen entlasten, sie in ihrem Auftrag unterstützen und direkt in Schulhäusern attraktive Leseräume schaffen?
Von Beginn an federführend dabei waren Kurt Idrizovic, Buchhändler aus Leidenschaft (Buchhandlung am Obstmarkt) und Nicole Rollin, Mitglied bei NetzwerkLesen und Herzblut-Förderlehrerin an der St.-Georg-Volksschule. Unermüdlich engagiert brachten sie weitere Partner zusammen und 2010 ein unglaubliches Projekt ins Rollen: Die „Lese-Inseln“. Feste Kooperationspartner sind heute die „Freunde der Stadtbücherei Augsburg e.V.“, die Stadtbücherei, Bildungsreferat und das Staatliche Schulamt der Stadt Augsburg, etliche Sponsoren und natürlich: Schulen.
Kommt das Kind nicht in die Bücherei, kommt die Bücherei zum Kind!
Eine Lese-Insel ist eine von Partnern finanzierte, moderne, kleine Stadtbücherei in einer Grund- oder Mittelschule, ausgestattet mit reichlich Kinder- und Jugendbüchern sowie weiteren Medien, die analog zur Stadtbibliothek systematisch erfasst und geordnet sind.
Es gibt Internetplätze, einen Ausleihplatz mit Bibliothekssoftware und vor allem ein spezielles Raumkonzept. Denn eine Lese-Insel soll ein Ort mit Wohlfühl-Atmosphäre sein, der Lust auf Lesen macht: groß, hell, farbenfroh, übersichtlich und gemütlich.
Durch das Zusammenspiel aller Partner kann dieses Ideal Wirklichkeit werden. Schulen stellen einen geeigneten Raum und eine verantwortliche Lehrkraft, das Bildungsreferat finanziert Umbau, Ausstattung und EDV, die Stadtbücherei erfasst Leser:innendaten und stellt Leser:innenausweise aus, unterstützt fachlich und der „Förderverein Freunde der Stadtbücherei Augsburg e.V.“ kümmert sich um die Sponsoren und finanziert den gesamten Mediengrundbestand und jährlichen Medienetat.
Lese-Insel – Ein Wohlfühlort im Schulalltag
Die Bücherei in der St. Georg Volksschule erfüllt all jene Kriterien. Sie wurde als erste Lese-Insel 2010 eröffnet und findet heute als lebendiger Bestandteil des Schulalltags großen Anklang: Lehrer:innen nutzen sie mit ihren Klassen, Ehrenamtliche ermöglichen die Öffnung sechzehn Stunden wöchentlich.
Während der Pausen und nach dem Unterricht kommen einzelne Kinder, leihen sich Bücher aus, schmökern in Sitzsäcken; täglich rund 60 Schüler:innen sagt Nicole Rollin und freut sich über den Erfolg: „Dank des Projekts können wir Kinder auch gezielt fördern.” Eine Mutter meinte sogar: „Ohne Lese-Insel wäre mein Kind heute nicht in der Realschule.“
Lese-Insel – Ein Augsburger Erfolgsprojekt mit Zukunft
Seit der Ersteinweihung ist in Augsburg eine ganze „Lese-Insellandschaft“ entstanden, eine eigens geschaffene Servicestelle agiert als Schnittstelle der Projektpartner und Anlaufstelle für Schulen. Bereits zwölf Lese-Inseln wurden an Schulen umgesetzt, weitere sollen folgen. Das Konzept geht auf. Hier spielen Wissen, Einsatz, Vernetzung, Mut zur Veränderung und finanzielle Unterstützung zusammen für einen unschätzbaren Beitrag bei der nachhaltigen Leseförderung unserer Kinder.
Augsburger Schulen können beim Bildungsreferat und beim Staatlichen Schulamt Anträge für Lese-Inseln stellen.





