BFF – best friends forever

Freunde sind mit das Beste, was Kindern auf dieser Welt passieren kann! Freunde spielen, lachen und tuscheln zusammen, vertrauen sich Geheimnisse an und hecken die besten Streiche gemeinsam aus. Mit Freunden müssen Meinungsverschiedenheiten ausgelotet werden – das ist Konfliktpotenzial für die Kinder selbst genauso wie für Eltern. Freunde bieten die Möglichkeit zur Ausbildung sozialer und kognitiver Fähigkeiten. Freunde sind da, wenn man sie braucht. Freunde sind einfach toll!

Wer Freunde hat, ist glücklicher. Dies ist nicht nur eine allgemeingültige Weisheit, sondern wurde auch von Psychologen und Soziologen bestätigt. Schon Babys freuen sich, wenn sie Kinder sehen, und
möchten durch Strampeln, Lachen und freudige Jauchzer Kontakt aufnehmen. Sobald sie selbst mobil sind, versuchen sie, anderen Kindern nachzulaufen, wenn sich die Möglichkeit ergibt. Und auch
wenn erste Kontaktaufnahmen noch schwerfallen und die Kleinen noch nicht so recht wissen, wie sie es anstellen sollen, und daher vielleicht etwas ruppig durch Schlagen oder Boxen und Stoßen
auf sich aufmerksam machen wollen, sie wollen damit doch nur ausdrücken: „Komm, spiel mit mir!“ Es ist für Kinder immer schön, einen Spielkameraden zu haben. Aber ein echter Freund, ist
das nicht weit mehr?

Erste Freundschaften sind oft Zweckbündnisse

Mit etwa drei bis vier Jahren verwenden Kinder bereits den Begriff „Freund“. Alle Menschen, die sie als nett empfi nden, werden unter Umständen dann als Freund bezeichnet. Das kann eine besondere Auszeichnung für die eigene Mama sein, für das ältere Mädchen, das bei einer schwierigen Aufgabe hilft oder für den schüchternen Nachbarsjungen, mit dem gerade ohne Worte eine Burg im Sandkasten gebaut wurde. Die Kinderpsychologin Maria von Salisch, die Kinderfreundschaften erforscht, spricht von einem verhaltensbezogenen Konzept. Wer nicht nett ist, kann auch logischerweise kein Freund sein. Dazu kommt die Bedeutung der Freundschaft als Nähe. Bei kleinen Kindern ist dies nicht im psychologischen Sinne zu sehen, sondern als ein Nahebeieinander-Wohnen oder oft Miteinanderspielen. Da Kinder in diesem Alter ein sehr egozentrisches Weltbild besitzen, stellen sie sich selbst in den Mittelpunkt jeglichen Interesses. So ist ein Freund auch jemand, von dem man sich einen Vorteil verspricht: „Bekomme ich Gummibärchen von dir? Dann bist du mein Freund!“ Sobald aber eine Einschränkung der eigenen Person erwartet wird, etwa wenn der Freund eine andere Vorstellung davon hat, wie die Bauklötze aufeinandergestapelt werden sollen, dann wird die Freundschaft sehr schnell aufgekündigt. Aber auch die Versöhnung fi ndet in diesem Alter schnell wieder statt. Denn Freundschaften unter Kindern sind oft Zweckbündnisse, zum Beispiel um sich gemeinsam gegen Erwachsene zu verbünden: „Wir möchten aber noch länger draußen spielen.“

Freunde machen selbstbewusst

Kinder spüren schnell, dass durch eine Freundschaftsbeziehung mit Gleichaltrigen auch die eigene Person an Bedeutung gewinnt. Sie schaffen Dinge ohne die Hilfe Erwachsener. Es werden Schritte und Strategien gemeinsam entwickelt, Aufgaben werden geteilt und so gelingt es ihnen, auch Schwieriges alleine zu meistern. Sie entdecken ihre eigenen Stärken. Aber auch Konfl ikte werden zusammen mit einem Freund leichter gelöst. Das macht unabhängiger und stärkt das Selbstbewusstsein.

Freundschaft fördert moralische und soziale Kompetenz

So werden mit der Zeit aus spontanen, kurzfristigen und Zweck- oder Spielbeziehungen emotional wichtige Freundschaftsbeziehungen. Am wichtigsten in einer solchen Freundschaft ist das Wohlfühlen in der Gegenwart des Freundes. Denn dieses Gefühl ist dafür verantwortlich, dass man sich möglichst oft sehen und gemeinsam Zeit verbringen möchte, entspannt und locker miteinander umgehen kann, gemeinsam lacht und sich gegenseitig zuhört. Was nichts daran ändert, dass Freunde auch mal Konflikte austragen. Sie können so miteinander und aneinander ausprobieren, wie man damit umgeht, wenn jemand eine andere Meinung hat oder etwas tut, das aus der eigenen Sicht falsch ist. Aber was ist richtig oder falsch? Was ist fair? Was verletzt den anderen? Wie kann ich etwas wieder gutmachen? Die Beschäftigung mit diesen Fragen ist ein großer Schritt, um Sozialkompetenz und moralisches Bewusstsein zu entwickeln. Und so werden in einer echten Freundschaftsbeziehung Konflikte ausgetragen, aber auch ertragen, um die Freundschaft nicht zu gefährden. Kinder sind dafür sogar bereit, selbst zurückzustecken und einen Verzicht zu leisten, wenn dann umgekehrt auch für sie selbst die Aussicht besteht, dass der Freund das nächste Mal dasselbe für sie tut. Sie sammeln Erfahrungen, dass und wie Konflikte gelöst werden können. Eine wichtige Erfahrung fürs Leben!

Freunde bieten Sicherheit

Aber auch Gefühle können vor einem echten Freund gezeigt werden, ohne dass das Kind dafür kritisiert wird oder gar Angst hat, deswegen verletzt zu werden. Man darf traurig, enttäuscht oder auch einfach nur gut gelaunt sein, ohne sich dafür verantworten zu müssen. Dazu gehört großes Vertrauen, ein Grundprinzip guter Freundschaft. Nur wenn man sich sicher ist, dass der andere für einen da ist und anderen gegenüber in Schutz nimmt, dass er tut, was man erwartet, kann man ihm Geheimnisse anvertrauen. Und so werden kleine Geheimnisse in Kinderfreundschaften zum Vertrauensbeweis
aber auch zur Probe, ob man seinem Freund wirklich vertrauen kann. Wenn Eltern solche Geheimnisse mitbekommen, sollten sie sich bewusst sein, dass es eben ein Geheimnis ist, das nur dem Freund vorbehalten ist. Also lassen Sie sich bloß nichts anmerken!

Freundschaft hat Potenzial

Kinder lernen viel in Freundschaften. Man übt, sich in andere hineinzuversetzen. Man teilt Gefühle. Man vergleicht sich, misst sich, reibt sich. Schüchterne Kinder lernen von aufgeschlossenen Freunden, körperlich schwache Kinder werden zu Leistungen angespornt, die sie sich selbst nicht zugetraut hätten. Man spricht von ergänzender Freundschaft, wenn sich solch ungleiche Kinder, oft auch unterschiedlichen Alters oder Temperaments, zusammenfinden. In sogenannten Spiegelfreundschaften dagegen spornen sich ähnliche Kinder gegenseitig an und rivalisieren auch
miteinander.

Die Zeichen einer Freundschaft

Doch egal, ob es sich nun um gleiche oder ungleiche Freundschaften handelt, durch sichtbare und unsichtbare Zeichen beweisen Kinder gerne sich und allen anderen ihre Freundschaft. So gelten Umarmungen, Liebkosungen und Händchenhalten ebenso wie zufälliger Körperkontakt beim Anrempeln, Kämpfen oder Abschlagen der Hände als körperlicher Ausdruck von Zusammengehörigkeit.
Geheimsignale oder Geheimsprachen zeigen: „Wir gehören zusammen und sind gemeinsam unschlagbar!“ Und auch dieselbe Kleidung, ähnliche Frisur, gleiche Haarschleifen, Käppis oder Fußballtrikots
eines bestimmten Vereins und unzählige weitere sichtbare Zeichen drücken aus: „Das ist mein Freund!“

Wenn ihr Kind also einem anderen Kind begegnet und die beiden ersten Kontakt aufnehmen, seien Sie sich gewiss, es passiert viel dabei. Vielleicht wird es nur eine kurze Freundschaft im Leben Ihres Kindes. Vielleicht aber ist es auch der Beginn einer lebenslangen Freundschaft!

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