Einer der wichtigsten Jobs der Welt

Was würden wir nur tun, wenn unser Müll nicht jede Woche zuverlässig abgeholt würde? Mancher hat vielleicht noch die Bilder im Kopf, wie es in Athen diesen Sommer aussah, als die Müllabfuhr für zehn Tage gestreikt hat. Fast an jeder Ecke lag bergeweise Müll. Und letztes Jahr? Wie haben manche gestöhnt, als in Augsburg wegen eines Streiks die Tonnen erst drei Tage später geleert wurden. Die Arbeit der Müllabfuhr ist also Gold wert! liesLotte-Redakteurin Angelina Blon hat sich mit Christian Ripperger, der als „Müllmann“ für den Abfallwirtschafts- und Stadtreinigungsbetrieb der Stadt Augsburg arbeitet, über seinen Job unterhalten.

Die meisten Menschen sprechen von Müllmännern. Wie lautet die offizielle
Bezeichnung Ihres Jobs?

Als ich mich beworben habe, wurde ein Mülllader gesucht.

Wie kam es, dass Sie zur Müllabfuhr gingen?

Ich war in der freien Wirtschaft tätig und wurde arbeitslos. Bei der Stadt Augsburg habe ich dann zunächst befristet für das Sport- und Bäderamt gearbeitet, bis ich intern die Ausschreibung zum Mülllader gesehen habe. Ich dachte mir, das versuche ich mal.

Wie hat Ihr Umfeld darauf reagiert, dass Sie „Müllmann“ wurden?

Na ja, im ersten Moment waren sie schon, sagen wir mal irritiert. Müllmann ist ja nicht gerade der Traumjob von Müttern für ihre Söhne… Aber ich habe und möchte auch kein Umfeld, das Wert auf den Schein nach außen legt. Es ist meine Sache, wie ich mein Geld verdiene, solange ich glücklich damit bin.

Sind Sie denn glücklich mit Ihrem Job?

Auf jeden Fall! Ich verdiene mein Geld sozusagen mit Spazierengehen – ich laufe ja neben dem Müllauto her – und bin an der frischen Luft. Seit zweieinhalb Jahren mache ich nun den Job und es ist im Vergleich zur Arbeit in der freien Wirtschaft, wo es nur darum geht, dass der Chef immer mehr verdient und die Angestellten dafür immer mehr leisten müssen, einfach himmlisch. Der Leistungsdruck ist weg und ich mache einfach meinen Job. Außerdem ist das Verhältnis Arbeit–Freizeit endlich mal ausgeglichen: Wir haben eine Vier-Tage-Woche, mit der ich mehr verdiene als manch anderer, der fünf Tage arbeitet.

Wie ist es, wenn man täglich den Müll anderer Menschen entsorgt?

Der Müll fällt an und es ist mein Beruf, ihn wegzumachen. Dabei ist es egal, ob die Menschen arm oder reich sind, alt oder jung, alle Menschen machen Müll. Ich sehe meinen Job als sozialen Job, da er allen Menschen nutzt.

Genau, Ihr Job ist für unsere Gesellschaft äußerst wichtig. Erfahren Sie denn die entsprechende Wertschätzung?

Es wird weniger, dass Menschen uns einen Dank aussprechen oder beispielsweise ein Getränk anbieten. Aber die Leute sind ja selbst in der Arbeit, wenn wir zum Tonnenleeren vorbeikommen. Ich denke aber, wenn man nachfragt, würden wohl die meisten Menschen sagen, dass die Müllabfuhr wichtig ist. Für die kleinen Kinder sind wir auf jeden Fall noch Helden.

Wie stehen Sie selbst Müll gegenüber?

Ich mache mir über Müll eigentlich weniger Gedanken. Man produziert Müll ja kaum selbst. Wenn man etwas kauft, ist das verpackt und dann muss man die Verpackung entsorgen. Was soll man da machen? Beim Sperrmüll finde ich es allerdings enorm, was weggeschmissen wird. Da sind zum Beispiel viele noch gut erhaltene Kindersachen dabei. Warum kann man die nicht spenden oder weitergeben? Ich selbst versuche, meine Sachen so lange wie möglich zu verwenden. Außerdem braucht man doch gar nicht so viel! Man sollte einfach nicht so viel anschaffen, dann muss man es hinterher auch nicht wegwerfen.

Meist umgibt ein Müllauto ein gewisser Gestank. Wie gehen Sie damit um?

Man selbst gewöhnt sich dran – am schlimmsten ist es genau hinter dem Auto, da ist man aber ja nicht lange. Nur beim Öffnen der Tonnen sollte man die Nase nicht reinstecken!
Man merkt es hauptsächlich an den Leuten, die vorbeilaufen, oder wenn kleine Kinder sich die Nase zuhalten. Aber ich denke mir dann: Es ist euer Müll, der da stinkt!