Ton top in Form

Gehen Sie einmal in Gedanken von der Augsburger Maxstraße den Judenberg hinunter, in die Weiße Gasse hinein. Erinnern Sie sich an die Geschäfte in der linken Ladenzeile? „Die Töpferei“ ist dort ein Stammgeschäft und vielen Augsburgern ein Begriff. Es gibt sie seit 1984 und nannte sich zu Beginn „Die Werkstatt“. Damals wurden neben den eigenen Tonwaren auch Produkte anderer Handwerker angeboten. Die jetzige Inhaberin Ulli Weißbeck erzählt: „Mein Einstieg war über ein Praktikum nach dem Abitur. Kurze Zeit später, als das Angebot kam, übernahm ich mit Anfang 20 schon das Geschäft. Letztes Jahr wurde mein 30-jähriges Jubiläum gefeiert!“ Eine viel längere Geschichte bringt jedoch das Haus mit sich.

Es wurde bereits um 1620 erbaut und die Fassade Ende des 19. Jahrhunderts neoklassizistisch renoviert. Was man von außen nicht sieht – so klein ist die Töpferei gar nicht. Mit nur fünf Metern Raumbreite am Schaufenster, geht es lange 26 Meter ins Innere. Ein größerer Ausstellungsraum ist im ersten Stock, darunter ist die Tonwerkstatt. Im oberen Raum sind an den Wänden Rundbögen- ausschnitte, die Ulli Weißbeck geschickt für speziell eingepasste Regale nutzt. Dort sowie am Boden oder von der Decke herabhängend wird die Produktpalette angeboten. Um diese zu beschreiben, möchte ich am liebsten „fast alles“ sagen, so weitreichend sind die Möglichkeiten, aus Ton etwas zu fertigen. Sonderwünsche sind hier auch willkommen. „Da alle Werkstücke aus Steinzeug sind, sind sie für Lebensmittel, die Spülmaschine und Mikrowelle geeignet. Andererseits sind sie auch dicht und frostbeständig, da bei 1.250 Grad gebrannt wird. Steinzeug ist hochwertiger als Steingut, bei dem häufig Kantenstücke ausbrechen“, klärt mich Ulli Weißbeck auf. Guter Ton also! Sie bezieht ihren aus dem Westerwald. Wer selbst kreativ ist, sollte wissen: Der rohe Ton wird hier auch verkauft und es gibt Kurse an der Drehscheibe. Da in Augsburg das Angebot für Hobbytöpfer sehr gering ist, hilft Ulli Weißbeck dem Werkraum Augsburg bei der Vorbereitung einer Tonwerkstatt. Auf dem Weg in die eigene tiefer gelegene Werkstatt wird die Luft immer wärmer, da hier die Brennöfen stehen. Die Keramikerinnen Christine Kellerer und Gabi Palm sind in ihrem Element. Sie formen aus der Grundform eines Ovals Frösche und Kröten. Sehr faszinierend, wie filigran, proportional stimmig und fröhlich die fertigen Tiere aussehen. Als Vorlage dient ihnen oftmals nur ein Buch. Durch dreidimensionales Umdenken und kreative Freiheit zaubern sie daraus wunderschöne Objekte. Beim Geschirr gibt es eigene Serien mit verschiedenen Dekoren. Der derzeitige Trend: Pastellfarben, fröhlich und hell. Rustikal war einmal. Nach Fertigstellung werden die geformten Stücke getrocknet, es folgt der Schrühbrand. Nun wird die Glasur aufgetragen, eventuell mit einer Dekortechnik, dann gibt es den Glasurbrand.

Im Laden ist auch ein kleiner Werkbereich, hier arbeitet gerade Frieder Bachmann in einer anderen Technik an einer „Augsburger Zirbelnuss“. Dabei wird eine Tonschicht in eine Gipsform gedrückt. Es gibt sie in verschiedenen Größen und sie sind beliebte Souvenirs. Auch der Rathausshop wird damit beliefert. Ein Waldorfkindergarten dagegen schwört auf die praktischen Breischalen mit konkavem Innenrand, sodass nichts verkleckert wird. Viele weitere Kunden sind Laufkundschaft, denn der schnellste und schönste Weg, von City-Galerie in die Innenstadt, führt hier vorbei. Aber auch Touristen und viele Stammkunden kommen immer wieder.

Die Töpferei gehört außerdem zum Handwerkerweg, das heißt, Besucher dürfen die Werkstatt besichtigen. Sollte Ihr Weg wieder einmal in die Altstadt führen, schauen Sie hinein: Ich habe heute hier den Geburtsort meines geliebten Brottop- fes entdeckt. Er war ein Geschenk vor 15 Jahren und ich will ihn nicht mehr missen! Hier gibt es die Dinge für die Ewigkeit. Schön, praktisch, alles Handarbeit und vor allem: „Made in Augsburg“.

Töpferei in der Augsburger Altstadt
Ulli Weißbeck
Weiße Gasse 5, Augsburg
Tel. 0821 / 15 35 11
www.die-toepferei.net Teil des Augsburger Handwerkerweges Di – Sa: 10 – 18 Uhr