Es wird wieder Frühling! Und das schon bald!
Zumindest im Schmuttertal beginnt der Frühling am 20. Januar 2012 um 17 Uhr genau vor der Schmuttertalhalle mit Blumen, Glockenläuten und fröhlich strahlenden Gesichtern.
Denn da kommen die Skoromati. Wer das ist?
Nun bei unseren südosteuropäischen Nachbarn vor Allem auch in der Gegend von Ilirski Bistrici im Süden Sloweniens da weiß man das ja schon längst:
Bei den Illyrern ( Aha!: Ilirski Bistrici), Mazedonen, Thrakern und anderen frühen Mittelmeervölkern des Balkan vollzog man zu Beginn des Frühjahres nach Dionysischem, Orphischem und Eleysinischem Brauch ein rituelles Auferwecken der Naturkräfte nach dem langen Wintersterben. Ein alter vorchristlicher Auferstehungsbrauch war für unsere freundlichen Besucher aus Hrusica in Slowenien also ursprüngliche Tradition.
Dort ist es in den Bergen an der Grenze zu Istrien immer noch Sitte, den Winter und seine dunklen Gesellen mit hellem Glockenläuten durch die Straßen davon zu jagen. Diese mit schwarzbraunem Pelz bekleideten und mit schwarzem Russ im Gesicht unkenntlich gemachten Gestalten nennt man dort Skopiti.
In den Händen tragen diese eine überdimensionierte hölzerne Zange aus zwei krummen in der Mitte verbundenen Ästen, mit der Sie alles was in den Weg kommt, ganz so heftig in die Waden zwicken, wie es auch der Winter mit seiner schneidenden Kälte mit uns gerne zu tun beliebt. Auch um die leeren Bäuche der vom Winter ausgezehrten Dorfbewohner konnte die lange Skoromati-zange problemlos herumreichen und sie gar so unangenehm massieren und zwacken wie sonst nur der Hunger am frühen Wintermorgen.
Halt! Genug an Schrecken verbreitet!
Soweit kann es bei uns hier in Diedorf nun aber gar nicht kommen! Denn da sind ja noch immer die Blumengekränzten! Mit dem hellen Glockenklang und den wippend buntbefransten Kostümen drängen sie sich immer wieder im Dauerlauf zwischen die dunklen Missetäter und die potentiellen Opfer am Straßenrand. Und wenn schon einer der Schwarzen mal durch die Kette der Läufer dringt und eine der weich und warm umhüllten Gestalten in die Zange nehmen will, wer sagt uns denn, dass nicht vielleicht gerade diese liebenswerte Zuschauerin, die er erwischt hat, nicht vielleicht doch ganz gerne mal ganz enge gedrückt werden wollte. Hat sie sich nicht extra deswegen ganz soweit in die vorderste Reihe vor gedrängt? Kaum jemand mag ja heute in aufgeklärter Gesellschaft ernsthaft noch daran glauben, dass dieser alte Fruchtbarkeitskult auch heute noch Spätfolgen haben sollte.
Das sind auch noch längst nicht alle Maskierten. Es gibt den Bär mit Bärentreiber, den grünen Waldmann, den Jäger , Schnitter und den Faulen , der sich von seiner Frau im Korb herumtragen läßt. Jüngst Verheiratete ziehen hinter schon längst faltig Ergrauten einher, Schöne und Noble gehen vor dem Teufel und dem schmutzigen Köhler. Alle Figuren eines lustigen Dorftheaters sind auf gezogen.
Und dazu gibt es ansehnliche Unterstützung:
Christian Schweiger, ein bekannter Maskenmacher aus dem Freundeskreis des Theaters Eukitea hat ein oder zweimal kräftig hin gelangt und herrlich “wüaschte Perchtenmasken” geschnitzt, wie sie bei uns im Gebirge zum Winteraustreiben getragen werden. Und er wird für seine Gruppe auch noch ein paar Masken aus dem Maskenmuseum und wild zottelige Fellkostüme aus leihen, damit dem Winter hier in den Stauden auch garantiert der Garaus gemacht wird. Und wenn dann auch noch die über 50 großen Schellen und Kuhglocken an Ihren breiten Ledergürteln in Schwingung kommen, wird es auch recht heftig laut. Das get dann durch und durch.
Jeder darf mitmachen oder nur zu sehen. Man wird unsere bunten schellengeschmückten Frühlingsläufer hören, finden und lieben lernen.
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