Equal Pay Day in Augsburg

Im Berufsleben von Männern und Frauen sind Entgeltunterschiede nach wie vor auffallend und ungerechtfertigt groß. So muss eine Frau rund 3 Monate länger als ein Mann arbeiten, nämlich bis zum 25.März des Folgejahres, um auf das durchschnittliche Vorjahres-Entgelt eines Mannes zu kommen. Dieses Manko kann nicht unwidersprochen bleiben. Es fordert zum Nachdenken, Sensibilisieren und Handeln auf.

Diese Entgeltlücke dürfte es laut geltendem Gesetz eigentlich gar nicht geben. Deutschland ist u.a. durch Art.3 Abs. II Grundgesetz (GG) dazu verpflichtet, eine Entgeltgleichheit zwischen Männern und Frauen herzustellen. Auch das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) von 2006 schließt eine Benachteiligung als unzulässig aus.

Die Ursachen für diese unterschiedliche Entlohnung von Männern und Frauen bei gleicher oder gleichwertiger Arbeit sind jedoch vielfältig und nicht ohne weiteres zu beseitigen. Im Wesentlichen sind sie alle auf ein traditionell geprägtes Geschlechter- oder Rollenverständnis zurückzuführen. Dazu gehört vielfach noch die Ansicht, dass der Frau die Rolle der Betreuung der Kinder und dem Mann die Rolle des Ernährers der Familie zugeteilt wird. Dieses alt hergebrachte Rollenverständnis ist aber inzwischen überholt, wenn auch nicht überall bewusst. Frauen wie Männer gehen heute jedoch überwiegend ganz selbstverständlich einer Erwerbstätigkeit nach.

Dennoch sind es mehrheitlich noch die Frauen, die ihre berufliche Tätigkeit zugunsten der Familie unterbrechen und damit mögliche Karrierechancen einbüßen. Gleichzeitig müssen sie mit aktuellen Gehaltseinbußen rechnen und auch  Teilzeitarbeit als Gegebenheit einkalkulieren, wenn sie in den Beruf zurückkehren wollen. Führungspositionen nach der Elternpause werden ebenfalls nur selten von Frauen erreicht.
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Durch Tätigkeit in Teilzeit sind Frauen weitgehend von Beförderungen und Weiterbildungen ausgeschlossen. Sollte eine Frau dennoch einer Vollzeitbeschäftigung nachgehen, verhindert die Zweifachbelastung durch Beruf und Haushalt in vielen Fällen die notwendigen Karriere fördernden Weiterbildungen. Auch dadurch bedingt sind die oberen Sprossen der Karriereleiter nahezu grundsätzlich von Männern besetzt.

Auch wenn Frauen keinen Familienpflichten nachgehen, entscheiden sie sich meist eher für die typischen Frauenberufe, wie z.B. Pflegedienste oder die klassischen Dienstleistungsberufe. Diese Beschäftigungen sind durchschnittlich schlechter bezahlt und bieten nur eingeschränkte Aufstiegchancen. Auch bei Gehaltsverhandlungen verhalten sich Frauen meistens zurückhaltender als ihre männlichen Kollegen.

Es ist also an der Zeit, nicht nur partnerschaftlich zu denken, sondern auch zu handeln, nicht nur in der Familie, sondern auch in der Arbeitswelt.
Deshalb kam es bereits im Jahr 2008 zu einem nationalen Aktionsbündnis aus Frauenorganisationen, wie z.B. dem BPW, dem Business and Professional Women Germany e.V. und Wirtschaftsverbänden, wie z.B. dem BDA, der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, die sich zum Ziel gesetzt haben, diese nicht zeitgemäßen , um nicht zu sagen unberechtigten Lohn- und Gehaltsunterschiede zwischen Frauen und Männern beidseitig bewusst zu machen und letztlich konsequent abzubauen.

Der Equal Pay Day 2011 befasst sich intensiv mit den Ursachen der Entgelt-Ungleichheit zwischen Frauen und Männern und hat als Schwerpunkt-Thema „Rollenstereotype – gelebtes Rollenverhalten und Ansatzpunkte, dies aufzubrechen“  gewählt. Es sollen Wege gezeigt und gegangen werden, die gleiche berufliche Unterstützung, gleiches Entgelt, gleiche Karrierechancen auch für Frauen garantieren.

Für diese Überzeugungsarbeit  braucht es neben den ohnehin interessierten Akteurinnen auch die notwendige Zahl an Akteuren, wie  (Ehe-)Männer, Vorgesetzte, Vorstände, Unternehmer. Sie alle auf den Equal Pay Day 2011 aufmerksam zu machen, ist  Aufgabe von uns Frauen und zwar mit der “Roten Tasche“, dem Symbol des Protestes gegen die roten Zahlen, Merkmal des bestehenden Entgeltunterschieds zwischen Frauen und Männern.

Darum: Machen Sie mit am 25.03.2011!  Auch in Ihrem Umfeld wird es an diesem Tag zahlreiche Aktionen und Veranstaltungen zu diesem Thema geben.
Nehmen Sie,  bitte,  Ihre Interessen wahr und  besuchen auch Sie diese Veranstaltungen zum Thema „Entgeltgleichheit“ am Equal Pay Day.

von Dr. Annette Rosch, Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt der Arbeitsagentur Augsburg

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